Voices from Childhood

 

 

An meine Adoptiveltern


 
Ihr werdet diese Zeilen leider nie lesen, denn ihr würdet euch weigern, es zu begreifen oder als wahr an zu erkennen!
Es wäre wieder nur meine blühende Fantasie, wie früher schon.
 
Warum habt ihr mich adoptiert? Ihr seid nicht einmal mit euch als Paar klar gekommen?
Liebe ... nur ein Wort, aber nie gelebt, nicht einmal zwischen euch!? Sie weiß maximal, wie es buchstabiert wird. Du, Papa bist zu unnahbar und konntest deine Liebe nicht zeigen.
 
Mit 1 1/4 kam ich aus dem Heim zu Euch zur Pflege und 1 Jahr später durftet ihr mich adoptieren. Weil ich keine feste Nahrung gewohnt war, spuckte ich alles mit kleinsten Bröckchen wieder aus, das sagte man euch auch damals im Heim, als man mich euch mit gab. Aber Du hast es ignoriert "Mutter" hast mir auch 3x Erbrochenes wieder ein gelöffelt, trotzdem ich geweint habe. Den Esstisch verlassen ging erst, wenn alles aufgegessen war. So ging es jahrelang. Sogar mit 15 hast du mich in der Küche in eine Ecke gedrängt, mir mit Fäusten auf dem Kopf getrommelt, weil ich nach 2 großen Tassen Milch die ich jeden früh trinken musste und nach der 1. Scheibe Brot, die 2. Scheibe Brot nicht mehr essen wollte.
 
Ich wuchs auf mit Sprüchen wie "Dich wollte niemand haben, deine Mutter nicht, deine Oma nicht und dein Vater war ein Selbstmörder!" Oder auch :  "Du weißt doch dass du krank bist, du wirst nie so sein, wie andere Kinder!"
 
Papa, du bist 2x aus gerastet, als SIE mich schikaniert hat, und hast deine Frau geohrfeigt. Das war das äusserste, wozu du in der Lage warst. Nicht das ich Ohrfeigen gutheiße!  Ansonsten warst du lange arbeiten oder bist in den Garten geflüchtet, auch wenn herrlichstes Sommerwetter war und ich oben bei ihr mit in der Küche helfen musste. Du hast es gesehen, dies und mehr und nichts gesagt. Außer manchmal, da sagtest du zu mir "Was machsten hier bei dem schönen Wetter!?" Dabei wusstest du, dass ich mich nie getraut hätte, SIE zu fragen, ob ich spielen gehen darf!
 
So etwas gab es einfach nicht oder nur, wenn sie gute Laune hatte. ansonsten wurden auch Schulfreundinnen nach dem Ausfragen weggeschickt, weil ich ja immer noch Pflichten zu erfüllen hatte. Für die 2 Ohrfeigen, die du ihr gabst wurde ich jahrelang erpresst.!!!
 
Du weißt es nicht, auch nicht, dass ich JEDEN TAG die Stunden gezählt habe, bist du von der Arbeit kamst! Erst dann habe ich mich ein wenig sicherer gefühlt!
 
Sie sagte mir: "Wenn Papa mich noch einmal schlägt, lasse ich mich scheiden! Und du kommst dann zu mir, ich arbeite ja bei der Jugendhilfe"!
 
Der Gedanke war der schlimmste Alptraum! Also - log ich dich an Papa, bei jeder Beule am Kopf, jeder Schmarre im Gesicht, von ihren Fingernägeln, bei jedem blauen Fleck - aus Angst, ihr gänzlich ausgeliefert zu sein!
 
Später als ich Erwachsen war, Versuche unternahm dir Einiges Bröckchenweise zu erzählen, hast du abgewunken, abgeblockt! Du hast mich nicht beschützt, das werfe ich dir vor und dass ich dir das ins Gesicht schreie, habe ich mehr als einmal als Erwachsene geträumt!
 
Ich träume immer noch schreckliche Sachen. Ich bin um die 40 und wohne immer noch bei euch,...komme nicht weg, denke, ich wollte doch zum Wohnungsamt gehen im Traum und fühle Beklemmung, bis ich erwache!
 
Sie mir einen Lederriemen stramm um die Oberarme herum gebunden, damit ich beim Essen die Arme nicht zu weit  vom Oberkörper abstehen lasse. Das hat sie oft gemacht, ich war  so 8 bis 10 'Jahre alt. Du hast es gesehen, Papa und nichts gesagt, es war dein Hosengürtel! Aus einer Tasse Trinken hat sie neu erfunden, mit weit geöffnetem Mund sollte ich trinken, nicht so wie es andere tun, das war ja falsch. Mahlzeiten dauerten auch dadurch stundenlang.
 
Ich habe dich geliebt, weil du mich nicht geschlagen hast, Papa. Heute weiß ich.... es war irgendwie falsch, auch du warst schuldig!
 
Sie hat mich geschlagen, stundenlang verhört, eingesperrt, gedemühtigt, mich gebrochen, mit deiner Erlaubnis.
Und weil ich dich geliebt habe, bin ich nicht mit 18 ausgezogen und für immer weg gegangen, ich dachte, ich könne DIR das nicht antun, Papa. Heute denke ich, wäre ich nur gegangen und wäre nie zu euch zurück gekommen, nicht 1x und auch nicht als Gast!
 
Ihr wisst nicht, was ihr angerichtet habt, ihr würdet es auch nie verstehen.
Aber ich bin nicht gänzlich gebrochen, es war immer noch genug Wille in mir, zu überleben (auch als ich mich mit 16 ernsthaft umbringen wollte!) Da dachte ich mir, den Gefallen tu ich Denen nicht! Ich dachte - in 2 Jahren bin ich ich 18 und dann kann ich gehen, das halte ich auch noch aus!
 
Ich lebe und lache heute, trotz düsterer Stunden und habe mein Leben im Griff und das ist nicht Euer Verdienst!!!
 
Euer Adoptivkind

 

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