Voices from Childhood

 

 

Brief an meinen Erzeuger,

ich möchte Dich wissen lassen, was mir durch Eure Unfähigkeit, Euer Schweigen, Eure Ignoranz, Eure Lieblosigkeit, Euer Augen verschließen etc. widerfahren ist.


Deine Aussagen, du wüßtest Du warst ein schlechter Vater, kann ich nur teilen, Du warst gar keiner, und wirst es für mich auch nie sein. Ich muss mich mit diesem unbeschreiblichen Schmerz auseinandersetzen, den ich auch heute noch kaum ertrage, ihn gar nicht ranlassen kann, da ich sonst zusammenbrechen würde, die schwersten Mißhandlungen und Demütigungen haben mich heute zu der gemacht die ich bin, seid meiner Jugend leide ich an Depressionen und Angstzuständen, kann Menschen nicht vertrauen. Durch die Schwere der Mißhandlungen sind mir sehr viele Wege versperrt geblieben ein "normales Leben" führen zu können.

 

1969 - 1976

Anni und ich wollten spazieren gehen als es an der Tür klingelte. Ein Mann stand dort, sprach mit Anni und nahm mich mit ohne mir zu sagen wie und warum. Er fuhr mich in das St.Josef Kinderheim. An der Pforte wurde ich von einer Nonne aufgenommen, die mich dann nach oben in die Gruppe brachte. Dort war ich, wußte nichts und wartete den ganzen Abend bitterlich weinend am Fenster auf Petra, die nicht kam. Du warst ja schon vorher nicht mehr da.


Gleich die erste Nacht machte ich ins Bett und mir wurde von Schwester Johanna auch gleich am nächsten Morgen gesagt, wenn das noch einmal passiert würde ich schon sehen was dann kommt. Und am 2ten Tag erfuhr ich dann auch gleich wie ernst es ihr war, ich bekam meine erste kalte Dusche. Ich schrie um mein Leben, hatte jedoch körperlich keine Chance gegen sie. Stell Dir vor, Du mußt Dich nackend vor der ganzen Gruppe ausziehen und alle schauen dabei zu... Ich weiß nicht wie lange so eine Dusche dauerte, sie kam mir ewig vor. In diesen 7 Jahren kann ich mich an keinen einzigen Tag erinnern an dem ich nicht mißhandelt wurde. Die Demütigungen ich bin nichts, ich kann nichts, ich bin Drecks und noch unzählige mehr prägen mich bis heute.


Das Essen dort war so eklig, ich erbrach mich davon 2Mal und mir wurde das Erbrochene von Schwester Johanna wieder mit dem Löffel aufs Brutalste zurückgeführt. Ich durfte unzählige Nächte nicht schlafen wenn ich ins Bett gemacht hatte, mußte auf der Toilette stehen. Einmal sperrte sie mich in einem Spalt zwischen 2 Türen ein, vielleicht ein halber Meter, dort kam ich erst wieder raus, als eine andere Nonne mein weinen hörte.


Wir mußten 1 Mal in der Woche baden, was der reinste Horror war, das Wasser war so heiss und sie schrubbte uns sehr brutal. Wurde mir in diesem heissen Wasser schlecht, durfte ich mich nur ganz kurz hinstellen.


War ich ihrer Meinung nach frech gewesen mußte ich nächtelang im dunklen Schwesterntreppenhaus stehen, eine halbe Treppe höher war der Dachboden, wo sie erzählte dass dort schon öfter böse Männer gewesen waren. Meine Angst war kaum auszuhalten.


Ich lernte lesen, schreiben rechnen unter der größten Folter, passierte auch nur ein Fehler hatte ich blutige Lippen, schwerste Blutergüsse unter den Armen die sie mit ihren Fingernägeln kniff und sie hörte nicht auf... Wir durften nicht spielen sondern mußten den ganzen Nachmittag üben.


Einmal schnitt mir Petra meine Haare, was Johanna nicht gefiehl, ich wurde dafür bis spät in die Nacht im Nähzimmer von ihr traktiert und mußte mich entschuldigen dass Petra mir die Haare geschnitten hatte. Das war ihr noch nicht genug, sie schnitt mir dann die Haare selber wobei sie, was sie gerne machte, mich immer wieder mit der Schere schlug und als Bonbon mußte ich dann noch meine Hände ausstrecken woraf sie mich dann mit einem Holzbügel schlug. Die Hände waren blau, geweint habe ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr, das wurde mir schon früher mit Schlägen und Demütigungen ausgetrieben.


Durch mein Insbett machen mußte ich Windel und Gummihose tragen, was zusätzlich noch sehr beschämend war. Sie hat mich sogar noch bestraft und geschlagen wenn ich nicht ins Bett gemacht habe, denn dann fiel ihr ein das mache ich extra um Fernseh schauen zu dürfen. Ich kann mich oft erinnern, dass ich vor Schmerzen nicht mehr sitzen konnte, weil mein Po blau war, weil sie mit dem Handfeger raufschlug, oder mein Kopf schmerzte weil sie mit ihren großen Schlüsseln darauf schlug.


Ich bin nie gelobt worden.


Wenn sie mich verdächtigt hatte, ich hätte etwas gestohlen nahm sie meine Hände steckte sie in eine Schublade und schlug diese immer wieder auf und zu. Wo wart Ihr? Ich habe Euch manchmal davon erzählt, warum habt Ihr mir nicht geholfen? Ich kann mich noch erinnern wenn ich Sonntags in der Quedlinburger Str. war und dann abends nach Rauch gerochen habe auch dafür massiv geprügelt worden zu sein. Einmal holtet Ihr mich ab, da war ich krank und machte auf dem Hin und Rückweg in die Hose, den ganzen Sonntag habe ich nur noch in massiver Angst an Schwester Johanna abends gedacht.


Als Petra dann den alten Sack heiratete und ich 12 oder 13 war fing dieses Schwein auch noch an mich zu mißbrauchen. Damit waren dann sogar die Sonntage futsch, ich hatte wirklich nichts mehr auf was ich mich freuen konnte. Und Petra diese Schlampe hat verbal mitgemacht.

 

Als sie endlich weg war, war ich so gebrochen, dass ich niemandem mehr vertraute und in die Verweigerung ging. Dieses 7 Jahre waren die Hölle auf Erden und ich habe sie überlebt, zu einem sehr sehr hohen Preis.

Mir hat Dein Selbstmitleid nichts gebracht, ich wollte eine offene Auseinandersetzung mit Dir. Heute ist sie mir nicht mehr wichtig, was mir wichtig ist, dass Du dieses liest und Du Dich vielleicht auch nur ein ganz kleines bißchen damit auseinander setzt.

Manuela

 

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