Voices from Childhood

Das mit dem Staubsauger

Brief an meine Mutter

Du blöde Mutter, dein Hirn hat wirklich einen mächtigen Schaden. Und vor allem deine Seele auch.
Ich habe mich als kleines Kind mal auf den Staubsauger gesetzt, weil ich nie Zuwendung von dir bekam. Also wollte ich sie erzwingen, indem ich dich beim Staubsaugen störte.
Dabei habe ich nur das gleiche gemacht wie du: du hast mich ständig von den Dingen abgehalten, die mir wichtig waren, weil du Zuwendung – z.B. auch in Form von „Unterstützung“ (Sklavendiensten) im Haushalt – wolltest.
Ich habe mich also auf den Staubsauger gesetzt. Und du hast mich dafür geohrfeigt. Ich spüre den Schmerz auf meiner linken Wange gerade wieder brennen. Es war so ungerecht! Und ungerechtfertigt! Hättest du mir nur einen Moment Zuwendung gegeben, so wäre ich zufrieden gewesen. Aber ich habe es ohne Zuwendung einfach nicht ausgehalten!
Später, als ich jugendlich war, hast du mir mal erklärt, dass ein Kind „negative Zuwendung“ braucht. Was für ein Schwachsinn! Du bist ja vollkommen krank!
Eine Ohrfeige ist keine Zuwendung, sondern rohe Gewalt! Und die wollte ich nicht! Das ist eine krasse Lüge mit der „negativen Zuwendung“! Es dient nur dazu, deinen Sadismus zu rechtfertigen! Du hast dich damit mit deinen krass gewalttätigen Eltern solidarisiert.
Schlimm finde ich, dass ich das gleiche mit einem schutzbefohlenen Kind, das mich auch “von der Arbeit abhielt“ wiederholt habe. Ich habe diesen wehrlosen Jungen geohrfeigt! Das ist durch nichts zu entschuldigen oder zu rechtfertigen. Es tut mir nur einfach ganz schrecklich leid.
Ich weiß, warum du zur grausamen, sadistischen Mutter wurdest. Dein Vater hat dich am ersten Tag deines Lebens verprügelt und in die Speisekammer gesperrt, wo er dich schreien ließ. Offensichtlich ist dir deine Mutter auch nicht zur Hilfe geeilt. Und diese brutalen Eltern hast du idealisiert und ihnen dein Leben lang die Treue gehalten. An dir sehe ich die Theorie bestätigt: je krasser die Misshandlung, desto stärker die giftige Bindung an die misshandelnden Eltern. Sie haben dich dadurch an sich gekettet. Vermutlich weil sie Angst hatten, dass sie irgendwann alleine sein würden (wie in ihrer Kindheit). Gibt es denn nur kranke grausame Eltern auf der Welt? Ich habe noch keine wohlwollenden getroffen.
„Mutter“, du hast alles falsch gemacht. Du bist eine brutale Sadistin gewesen und bist total uneinsichtig. Du bist eine blöde Kuh, ein Monster, ein Zombie. Du tickst nicht richtig, du gehörst in die Psychiatrie.
„In unserer Familie war Therapie ein Tabu“ habe ich neulich auf der Seite von Barbara Rogers gelesen. BEI UNS AUCH! NIEMAND in unserer Verwandtschaft machte damals eine Therapie. Therapeuten waren in euren Augen Besserwisser und Elternschlechtmacher. Ihr habt eure Probleme versucht mit dem verlogenen Christentum zu lösen und euch dadurch nur tiefer hineinverstrickt und die Verdrängung zementiert. Inzwischen seid ihr nur noch leere Pappmachéhüllen. Jeglicher menschlichen Regung beraubt, werdet ihr jetzt im Alter immer noch gestörter.
Aber was beschäftige ich mich damit, wie es euch jetzt geht, das tut mir gar nicht gut.
Fest steht, dass du, die sich jahrelang meine Mutter nannte, krass einen an der Waffel hast und eine total bescheuerte gefühlskalte und gewalttätige Person bist. Ich bedaure zutiefst, dass ich in deinem Umfeld so viel Zeit verbringen musste und deiner rohen Gewalt als Kind gnadenlos ausgesetzt war.
Du hast mich bis ins kleinste reglementiert, ich durfte gar nichts selbst entscheiden, du wusstest immer, was „gut für mich“ war. Das macht mir immer noch zu schaffen, weil ich diese Integritätsverletzung heute noch manchmal kompensiere, indem ich anderen Leuten sage, was „gut für sie“ ist. Erst durch deren Widerstand wird mir klar, was für ein Wiederholungsspiel da abläuft. Und dann schäme ich mich, dass ich so bin. Ich schäme mich für das, was DU MIR angetan hast. Das ist doch total pervers! Ich bin nicht schlecht! Ich bin nicht böse! Ich weiß, dass du davon ausgehst, dass Kinder, wenn sie nicht „diszipliniert“ werden, roh und gewalttätig werden. Auch das hast du mir als Leitspruch versucht zu vermitteln. Um deine Gewalt zu rechtfertigen.
Umgekehrt ist die Wahrheit: die Menschen werden roh, WEIL sie „diszipliniert“ werden oder wurden!
Du bist doch total verdreht, du Bündel aus Haß und Groll. Du Ausbund des Bösen, du Gewaltmaschine, du Giftschleuder, du böse Hexe, du fiese Eiskönigin, du böse Fee, du hinterhältiges Miststück!
Wie konntest du mich nur meinem Vater ausliefern! Wie konntest du nur eiskalt dulden, dass er sexuell gewalttätig war! Ich traue dir eine sadistische Genugtuung in diesem Punkt zu. Höchstwahrscheinlich bist du auch von deinem Vater vergewaltigt worden. Warum also sollte ich es besser haben als du? Du hast dich an MIR für die Taten DEINES VATERS gerächt! So etwas Ungerechtes! Ich finde keine Worte. Für ein solches Verhalten gibt es keine Worte. Ich könnte dich würgen, massakrieren, dir endloses Leid zufügen, so wie du mich grausam gequält hast.
Du hast dich in mich hineingepflanzt und ich will diese Einpflanzung umbringen. Ich töte dich in Gedanken mindestens einmal täglich. Das ist sehr heilsam und erleichternd für mich. Wenn ich das nicht tue, dann treibst du wieder munter dein Unwesen in mir, vergiftest mich innerlich mit deinem Haß, sabotierst meine Vorhaben, schiebst meine Verdrängung an, so dass ich depressiv werde. Ich lasse das nicht länger zu! Ich kehre den Mist jeden Tag aus! Ich lasse mich nicht länger von dir zumüllen! Das hast du schon viel zu lange getan, du Dreckskuh! Ich hasse dich! Du hast mich ohne Ende manipuliert, nach deinen Bedürfnissen zurechtgestutzt. Du wolltest ein Ebenbild aus mir machen. Ich wollte aber auf keinen Fall so sein wie du! Denn ich wollte schon damals LEBEN! Und so zu sein wie du bedeutet Tod! Diese destruktive Kraft in dir habe ich schon sehr früh wahrgenommen. Und insgeheim habe ich dich auch schon lange gehasst. Aber leider mit der Nebenwirkung, dass ich mich schuldig dafür fühlte.
Es ist wirklich erschütternd, wie sehr du in mein Leben eingegriffen hast, alles kontrolliert und gelenkt hast. Ich war nicht existent. Ich war nur dazu da, deine Befehle auszuführen und deine Bedürfnisse zu erfüllen. Ich war seelisch deine Sklavin. Ja, du hast mich versklavt, mich an dich gekettet, du destruktives Monster! Ich hasse dich! Du hast die Basis meines Selbstbewusstseins zerstört! Du hast mein Selbstwertgefühl systematisch untergraben, indem du mich extrem schlecht behandelt hast. Du hast mich als Blitzableiter für deine Hassattacken und für deine Aggressionen missbraucht. Es fällt mir immer noch schwer, dich dafür zu hassen, weil du jeglichen Widerstand gegen deine Gewalt wieder mit Gewalt und Drohungen unterbunden hast. Deshalb ist der Haß auf dich stark mit Angst gekoppelt. Sogar jetzt beim Schreiben bekomme ich Angst in Form von Kopfschmerzen…Aber ich werde die Angst überwinden, um den berechtigten Haß in seinem ganzen Ausmaß fließen zu lassen. Er will raus. Ich will nicht länger, dass er mich von innen behindert und sich in Selbsthaß verwandelt. Schluß jetzt! ICH HASSE DICH! Und ich habe ein Recht dich zu hassen, es ist mein Geburtsrecht auf Gewalt mit Haß zu reagieren, das ist mein einziger Schutz! Du verdammte Drecksziege! Du perverses Stück Mist! Vor meinem inneren Gerichtshof bekommst du die Todesstrafe wegen Seelenmords an einem kleinen Mädchen.

Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil:
Frau M. wird wegen körperlicher und psychischer Gewalt gegen ihre eigene Tochter SCHULDIG gesprochen. Sie bekommt das Strafhöchstmaß: die Todesstrafe.

Und ich bin frei.

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